Job Crafting: Ein wirksames Mittel zur Burnout-Prävention
Kürzlich hatte ich einen Klienten, der nicht glücklich war mit den Aufgaben, die er im Job hat erledigen müssen. Er hatte viele Aufgaben, die er nicht gerne tat und welche ihm viel Energie raubten. Sonst gefiel es ihm sehr. Er hat eine tolle Vorgesetzte, das Team war nett und mit den Arbeitsbedingungen war er auch zufrieden. Wir diskutierten über, was ihm den helfen würde. Er meinte, dass wenn er seine Aufgaben etwas mehr mitbestimmen und formen könnte, wäre ihm schon sehr gedient. Interessanterweise ist mir gerade der Begriff Job Crafting in meiner Weiterbildung CAS betriebliches Gesundheitsmanagement über den Weg gelaufen.
Was ist Job Crafting?
Job Crafting ist ein Konzept aus der Arbeits- und Organisationspsychologie, das von den Psychologen Amy Wrzesniewski und Jody H. Bretz in den 1990er Jahren entwickelt wurde. Es beschreibt den Prozess, bei dem Mitarbeiter aktiv ihre eigenen Arbeitsaufgaben, -beziehungen und den Arbeitskontext anpassen, um mehr Erfüllung, Motivation und Kontrolle in ihrem Arbeitsalltag zu finden.
Im Grunde genommen handelt es sich bei Job Crafting darum, den Job „nach eigenen Wünschen zu gestalten“, um ihn besser an die eigenen Stärken, Interessen und Bedürfnisse anzupassen. Dies kann durch verschiedene Strategien erfolgen, die uns mehr Autonomie und Sinn in unserer Arbeit verschaffen.
Es gibt drei Dimensionen des Job Craftings (Task Crafting, Relational Crafting und Cognitive Crafting)
Mehr zu Job Crafting generell hier: https://www.researchgate.net/publication/346107221_Do_it_yourself_-_Job_Crafting_und_Emotionale_Intelligenz_fur_die_Zukunft_der_Arbeit
https://hellobetter.de/blog/job-crafting/
In diesem Blog möchte ich mich auf Task Crafting fokussieren:
Task Crafting (Aufgabengestaltung)
Dies bezieht sich auf die Veränderung der Aufgaben, die ein Mitarbeiter erledigt. Zum Beispiel könnte ein Mitarbeiter zusätzliche Aufgaben übernehmen, die ihn mehr interessieren, oder bestimmte Aufgaben anders organisieren, um sie effizienter oder angenehmer zu gestalten. Auch das Delegieren oder Streichen von Aufgaben, die wenig Mehrwert bieten oder stressig sind, gehört zu dieser Dimension.
Wie Job Crafting Burnout vorbeugen kann
Burnout ist selten nur eine Folge von Überbelastung und Stress – es entsteht auch dann, wenn Menschen das Gefühl haben, keine Kontrolle über ihre Arbeit zu haben oder dass ihre Arbeit keine Bedeutung hat. Job Crafting kann hier eine Schlüsselrolle spielen, da es den Mitarbeitern hilft, mehr Autonomie, Sinn und Kontrolle in ihrem Arbeitsumfeld zu finden. Hier sind einige Wege, wie Job Crafting Burnout vorbeugen kann:
- Erhöhte Kontrolle und Autonomie
Einer der Hauptfaktoren, der zum Burnout führt, ist das Gefühl, keinen Einfluss auf die eigenen Arbeitsbedingungen zu haben. Wenn wir das Gefühl haben, keine Kontrolle über unsere Aufgaben oder den Arbeitsablauf zu haben, entsteht schnell Frustration und Erschöpfung. Job Crafting gibt uns die Möglichkeit, mehr Autonomie zu erlangen, indem wir unsere Aufgaben nach unseren eigenen Interessen und Stärken anpassen. Dies kann den Stresspegel deutlich senken und das Gefühl der Überforderung verringern. - Stärkung der persönlichen Ressourcen
Durch das Crafting können wir uns auf die Aufgaben konzentrieren, die uns motivieren und begeistern, und die stressigen oder wenig erfüllenden Aufgaben nach Möglichkeit minimieren. Indem wir unsere Arbeit stärker an unseren Stärken und Interessen ausrichten, können wir unsere persönlichen Ressourcen besser nutzen und verhindern, dass wir uns emotional erschöpfen. - Förderung der positiven Emotionen
Indem wir uns auf die positiven Aspekte der Arbeit konzentrieren und aktiv versuchen, unsere Aufgaben nach unseren Bedürfnissen zu gestalten, können wir positive Emotionen am Arbeitsplatz kultivieren. Diese positiven Emotionen wiederum können die Resilienz stärken und uns besser gegen Stress schützen.
Was ich konkret mit meinem Klienten gemacht habe:
- Wir haben uns sein Job-Profile angeschaut und seine täglichen Arbeiten. Er markierte alle Aufgaben, die er mag (gut kann, gerne macht und die richtigen Skills hat) mit in grün. Die Aufgaben, die er nicht gerne macht (nicht gut kann, ihn langweilen, stressen, etc.) in Rot. Es gab auch ein paar «Gelbe» Aufgaben. Reflektiere regelmäßig über deine Arbeit
Überlege, welche Aspekte deiner Arbeit dir am meisten Energie geben und welche dich ermüden. Wo kannst du kleine Anpassungen vornehmen, um deine Aufgaben mehr an deinen Stärken und Interessen auszurichten? - Suche nach Unterstützung
Identifiziere Kollegen, mit denen du besser zusammenarbeiten könntest. Suche aktiv den Austausch mit anderen, die dich unterstützen und dir Rückhalt geben können. - Setze dir sinnvolle Ziele
Setze dir Ziele, die im Einklang mit deinen persönlichen Werten und Zielen stehen. Dies kann dir helfen, den Sinn in deiner Arbeit zu finden und dich stärker mit deinen Aufgaben zu identifizieren. - Kleine Veränderungen im Arbeitsumfeld
Versuche, kleine Veränderungen in deinem Arbeitsumfeld vorzunehmen, die dir mehr Kontrolle und Autonomie verschaffen. Vielleicht kannst du flexiblere Arbeitszeiten, eine andere Aufgabenverteilung oder eine bessere Struktur in deinen Arbeitsabläufen einführen. - Achte auf deine Bedürfnisse
Achte darauf, regelmäßig Pausen zu machen und dir Zeit für Erholung zu nehmen. Job Crafting kann auch beinhalten, dass du deine Arbeitsweise so anpasst, dass du genug Raum für Erholung und Selbstfürsorge schaffst.
Fazit
Burnout ist eine ernsthafte Herausforderung, aber mit der richtigen Herangehensweise lässt sich viel dagegen tun. Job Crafting ist ein kraftvolles Werkzeug, das dir helfen kann, deine Arbeit aktiv zu gestalten, um mehr Sinn, Erfüllung und Kontrolle zu erleben. Indem du deine Aufgaben, Beziehungen und Wahrnehmungen an deine Bedürfnisse anpasst, kannst du nicht nur die Gefahr eines Burnouts minimieren, sondern auch ein gesünderes, motivierteres und erfülltes Arbeitsleben führen.
Achtung. Job Crafting wird nicht immer möglich sein und es gibt vermutlich keinen Job, der sich komplett an deine Bedürfnisse anpassen lässt. Es wird immer Aufgaben geben, die dir nicht 100% liegen.
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